Geschäftsteam bei strategischer B2B Social Media Planung mit digitalen Verbindungen
Publié le 17 mai 2024

Starkes B2B-Social-Media verkauft keine Produkte, es baut Vertrauen und Autorität auf.

  • Der Fokus verschiebt sich vom reinen Senden (Megafon) zum Aufbau eines wertvollen Ökosystems (relationales Kapital).
  • Authentische, menschliche Interaktionen und Fachexpertise sind wichtiger als polierte Werbebotschaften.
  • Die relevantesten Kennzahlen sind oft unsichtbar (Dark Social) und korrelieren stärker mit echten Leads als Likes oder Follower.

Empfehlung: Konzentrieren Sie Ihre Ressourcen nicht darauf, Ihre Produkte zu bewerben, sondern darauf, durch wertvollen Content und echte Dialoge zum unverzichtbaren Ansprechpartner Ihrer Zielgruppe zu werden.

Als B2B-Unternehmer blicken Sie vielleicht auf LinkedIn oder XING und sehen vor allem eines: einen endlosen Strom an Selbstbeweihräucherung, Buzzword-Bingo und lieblos geteilten Pressemitteilungen. Der Gedanke, dass diese Kanäle mehr sein könnten als eine digitale Litfasssäule für Unternehmensnachrichten, scheint abwegig. Viele glauben, Social Media sei eine Spielerei für B2C-Marken, die bunte Bilder und witzige Videos posten, aber für einen ernsthaften Maschinenbauer oder IT-Dienstleister reine Zeitverschwendung.

Die gängigen Ratschläge wie „Seien Sie authentisch“ oder „Posten Sie regelmässig wertvollen Content“ sind zwar gut gemeint, führen aber oft genau zu dieser Sackgasse. Ohne eine klare Strategie mündet „wertvoller Content“ in der Veröffentlichung der neuesten Produktbroschüre. Doch was wäre, wenn der wahre Wert von B2B-Social-Media gar nicht im direkten Abverkauf liegt? Was wäre, wenn das eigentliche Ziel nicht das Jagen von Leads ist, sondern der strategische Aufbau von etwas viel Wertvollerem: relationalem Kapital?

Die wahre Macht von Social Media im B2B-Kontext entfaltet sich, wenn man aufhört, es als Megafon zu benutzen und beginnt, es als Werkzeug zum Aufbau eines Ökosystems zu verstehen. Ein Ökosystem, in dem Vertrauen, Expertise und echte Beziehungen wachsen. In diesem Umfeld entstehen qualifizierte Anfragen nicht, weil Sie laut schreien, sondern weil Sie als die logische und vertrauenswürdige Antwort auf die Probleme Ihrer Kunden wahrgenommen werden. Es geht darum, eine Vertrauensarchitektur zu errichten, die weit über das Posten von Neuigkeiten hinausgeht.

Dieser Artikel ist ein strategischer Leitfaden für B2B-Unternehmer, die Social Media bisher skeptisch gegenüberstanden. Er zeigt Ihnen, wie Sie den Wandel von der reinen Selbstdarstellung zur strategischen Kommunikation vollziehen. Wir werden uns ansehen, wie Sie die richtigen Kanäle auswählen, Ihre Vertriebler zu authentischen Beziehungsmanagern machen und Kennzahlen identifizieren, die wirklich mit Ihrem Geschäftserfolg korrelieren.

Lohnt sich Instagram für einen Maschinenbauer oder ist das Zeitverschwendung?

Die Vorstellung, einen hochkomplexen CNC-Fräsautomaten auf einer Plattform zu präsentieren, die für Urlaubsfotos und Essensbilder bekannt ist, wirkt auf den ersten Blick absurd. Für viele B2B-Unternehmer, insbesondere in traditionellen Branchen wie dem Maschinenbau, gilt Instagram als Inbegriff der B2C-Spielerei. Doch diese Sichtweise übersieht das immense Potenzial, das in der Verschiebung des Fokus liegt: Weg vom Produkt, hin zur Marke und den Menschen dahinter. Die Frage ist nicht « Wie verkaufe ich hier meine Maschine? », sondern « Wie zeige ich, dass wir ein innovativer, attraktiver Arbeitgeber und ein führender Experte sind? ».

Die Daten bestätigen diesen Trend: Laut aktuellen Erhebungen von Statista nutzen bereits über 73 % der B2B-Unternehmen im DACH-Raum Instagram. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, die Plattform nicht als Verkaufskatalog, sondern als Bühne für die Unternehmenskultur, für Employer Branding und für visuelles Storytelling zu nutzen. Zeigen Sie Einblicke in die Produktion, stellen Sie Ihre Auszubildenden vor, erklären Sie komplexe technische Details in kurzen, ansprechenden Videos. Sie bauen damit kein Verkaufsgespräch auf, sondern wertvolles relationales Kapital bei potenziellen Fachkräften und zukünftigen Geschäftspartnern.

Ein gutes Beispiel für diesen Ansatz, wenn auch auf einer anderen visuellen Plattform, ist die fischer group. Der Weltmarktführer für Befestigungssysteme hat mit seinem YouTube-Kanal eine Community aufgebaut, indem er sich auf Problemlösungen und Anwendungsfälle konzentriert, anstatt nur Produkte zu bewerben. Dieser Ansatz zeigt, dass technische B2B-Unternehmen durch visuelle Inhalte erfolgreich Nischen-Communities aufbauen können. Für einen Maschinenbauer auf Instagram bedeutet das: Zeigen Sie die Präzision Ihrer Arbeit, die Leidenschaft Ihrer Ingenieure und die Innovationskraft, die in Ihrem Unternehmen steckt. Das ist es, was im Gedächtnis bleibt.

Wie sprechen Vertriebler Kontakte an, ohne wie Spammer zu wirken?

Jeder B2B-Entscheider kennt sie: die unpersönliche Kontaktanfrage auf LinkedIn, gefolgt von einer Copy-Paste-Nachricht, die sofort ein Produkt oder eine Dienstleistung anpreist. Dieser Ansatz ist nicht nur ineffektiv, er schadet auch dem Ruf des Unternehmens und verbrennt wertvolle Kontakte. Das grundlegende Problem ist die falsche Herangehensweise: Der Vertriebler agiert als Jäger, nicht als Beziehungsmanager. Der Schlüssel zu erfolgreichem Social Selling liegt im Zero-Pitch-Prinzip – dem konsequenten Aufbau einer Beziehung, bevor überhaupt an einen Verkauf gedacht wird.

Anstatt mit der Tür ins Haus zu fallen, sollten Vertriebsmitarbeiter als Kuratoren und Experten agieren. Das bedeutet, potenziellen Kontakten zunächst nur Mehrwert zu bieten, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Teilen Sie einen relevanten Branchenreport, kommentieren Sie einen Fachbeitrag des Kontakts mit einer durchdachten Frage oder gratulieren Sie zu einem beruflichen Erfolg. Es geht darum, auf dem Radar zu erscheinen, aber als nützlicher und kompetenter Ansprechpartner, nicht als Verkäufer. Diese Form der Interaktion baut langsam, aber sicher das entscheidende relationale Kapital auf, das für ein späteres Gespräch unerlässlich ist.

Nahaufnahme professioneller Hände bei digitalem Austausch ohne aufdringliche Werbung

Diese authentische Kommunikation ist der Kern einer modernen Vertriebsstrategie. Es geht darum, Signale zu erkennen: Ein potenzieller Kunde stellt in einer Gruppe eine Frage, die Ihr Produkt lösen könnte? Antworten Sie öffentlich mit einer hilfreichen Erklärung, nicht mit einem Verkaufslink. Ein Kontakt teilt einen Beitrag über eine Herausforderung? Bieten Sie in den Kommentaren eine Perspektive an. Diese Methode verwandelt kalte Akquise in ein warmes Gespräch, das auf Vertrauen und anerkannter Expertise basiert.

Ihr Plan für authentisches Social Selling: Die Zero-Pitch-Methode

  1. Erstkontakt mit Wert schaffen: Beginnen Sie die Interaktion, indem Sie eine wertvolle, externe Ressource teilen (z. B. einen relevanten Branchenreport, eine Studie), die für den Kontakt nützlich ist.
  2. Auf Inhalte reagieren: Interagieren Sie mit den inhaltlichen Beiträgen und Kommentaren Ihrer Kontakte, anstatt nur oberflächliche Likes zu vergeben. Stellen Sie intelligente Fragen.
  3. Thought Leadership aufbauen: Positionieren Sie sich als Experte, indem Sie regelmässig eigene, fundierte Fachbeiträge veröffentlichen, die Probleme Ihrer Zielgruppe lösen.
  4. In Nischen-Communities engagieren: Werden Sie ein aktives und hilfreiches Mitglied in relevanten LinkedIn-Gruppen oder Fachforen, in denen sich Ihre Zielgruppe aufhält.
  5. « Dark Social »-Signale nutzen: Achten Sie auf indirekte Kaufsignale und nutzen Sie diese für warme, kontextbezogene Anfragen, anstatt auf kalte Massenansprachen zu setzen.

Wie viel Prozent Fachwissen und wie viel « Menschelndes » ist optimal?

Die Frage nach dem perfekten Content-Mix quält viele B2B-Unternehmen. Einerseits will man als hochkompetenter Experte wahrgenommen werden, andererseits weiss man, dass Geschäfte zwischen Menschen gemacht werden. Die reine Präsentation von Datenblättern und technischen Spezifikationen wirkt schnell steril und unnahbar. Ein Zuviel an persönlichen Anekdoten und Teamfotos kann hingegen unprofessionell und beliebig erscheinen. Die Lösung liegt nicht in einem starren Prozentsatz, sondern in einer an die Plattform und das Ziel angepassten Balance zwischen Expertise und Empathie.

Als Faustregel gilt: Je professioneller und informationsorientierter die Plattform, desto höher der Anteil an Fachwissen. Ein tiefgehender LinkedIn-Artikel kann zu 80 % aus Fachexpertise bestehen und durch eine kurze persönliche Einleitung oder eine Anekdote am Ende menschlich aufgelockert werden. Umgekehrt lebt eine Instagram Story, die einen Blick hinter die Kulissen gewährt, von einem 70-prozentigen menschlichen Anteil. Hier geht es darum, das Team, die Werte und die Atmosphäre des Unternehmens greifbar zu machen. Der Experte David Meerman Scott fasst es treffend zusammen:

The fundamentals of B2B marketing are the same today as they were 50 years ago. It’s still about relationships, although today we have new tools and techniques at our disposal.

– David Meerman Scott, Sprinklr B2B Social Media Marketing Guide 2025

Diese Aussage unterstreicht, dass die modernen Werkzeuge nur dann effektiv sind, wenn sie dem fundamentalen Ziel dienen: dem Aufbau von Beziehungen. Selbst der technischste Inhalt profitiert von einer menschlichen Komponente. Ein YouTube-Tutorial kann mit einer kurzen persönlichen Vorstellung des Experten beginnen, um eine Verbindung zum Zuschauer herzustellen. Ein TikTok-Video kann einen komplexen Sachverhalt unterhaltsam aufbereiten und so einen Lerneffekt mit positiven Emotionen verknüpfen. Das « Menschliche » ist kein Selbstzweck, sondern der emotionale Klebstoff, der dafür sorgt, dass die Fachexpertise überhaupt ankommt und im Gedächtnis bleibt.

Die folgende Tabelle bietet eine Orientierung für den optimalen Content-Mix auf verschiedenen Plattformen, um eine effektive Vertrauensarchitektur aufzubauen.

Content-Mix nach Social Media Kanal
Plattform Fachexpertise Menschlicher Content Empfohlener Mix
LinkedIn Artikel 80% 20% Persönliche Anekdote am Ende
Instagram Story 30% 70% Team-Interaktion dominiert
YouTube Tutorial 90% 10% Kurze persönliche Einleitung
TikTok 40% 60% Unterhaltung mit Lerneffekt

Wie reagieren Sie souverän auf öffentliche Kritik eines Ex-Mitarbeiters?

Es ist das Horrorszenario für jedes Unternehmen: Ein ehemaliger Mitarbeiter äussert sich auf Kununu, Glassdoor oder direkt auf LinkedIn negativ über seine Zeit im Unternehmen. Die erste Reaktion ist oft defensiv oder der Wunsch, den Kommentar schnellstmöglich zu löschen. Doch beide Wege sind kontraproduktiv. Eine souveräne Reaktion auf öffentliche Kritik ist eine der grössten Chancen, die Stärke Ihrer Unternehmenskultur und Ihre professionelle Haltung unter Beweis zu stellen. Anstatt eine Bedrohung zu sehen, sollten Sie es als einen unbezahlten Stresstest für Ihre Kommunikationsstrategie betrachten.

Die oberste Regel lautet: Reagieren Sie immer – und zwar schnell, professionell und deeskalierend. Eine öffentliche Antwort sollte niemals in eine inhaltliche Schlammschlacht ausarten. Bedanken Sie sich stattdessen für das Feedback, drücken Sie Ihr Bedauern aus, dass die Erfahrung nicht positiv war, und bieten Sie immer an, die Diskussion auf einen privaten Kanal (E-Mail, Telefon) zu verlagern. Eine Formulierung wie: « Vielen Dank für Ihr offenes Feedback. Wir bedauern sehr, dass Sie Ihre Zeit bei uns so wahrgenommen haben. Wir nehmen solche Rückmeldungen ernst und würden uns freuen, die Details in einem vertraulichen Gespräch zu klären. Bitte kontaktieren Sie dazu unsere HR-Abteilung unter [E-Mail]. » zeigt Kontrolle, Wertschätzung und Lösungsbereitschaft.

Noch wichtiger als die Reaktion ist die Prävention. Unternehmen, die proaktiv eine positive und offene interne Kultur pflegen und ihre Mitarbeiter zu Markenbotschaftern (Employee Advocacy) machen, sind weitaus widerstandsfähiger. Wenn 99 positive Stimmen im Netz über Ihr Unternehmen sprechen, verliert die eine negative Stimme an Gewicht. Eine gute Krisenstrategie beginnt lange vor der Krise. Dazu gehört die Vorbereitung von Textbausteinen und die klare Definition von Verantwortlichkeiten (wer antwortet? HR, CEO, PR?). So verwandeln Sie einen potenziellen Reputationsschaden in eine Demonstration Ihrer Werte und Ihrer Professionalität.

Welche Social-Media-Kennzahl korreliert wirklich mit Leads?

Likes, Shares, Follower-Wachstum – diese sogenannten « Vanity Metrics » (Eitelkeits-Kennzahlen) sehen in Reportings gut aus, haben aber oft eine erschreckend geringe Korrelation mit dem tatsächlichen Geschäftserfolg, sprich: qualifizierten Leads und Umsatz. Ein B2B-Unternehmer muss wissen, welche Aktivitäten sich wirklich auszahlen. Der Fokus muss sich von oberflächlicher Reichweite auf qualifiziertes Engagement und messbare Geschäftssignale verlagern. Eine hohe Anzahl an Likes für ein Teamfoto ist nett, aber ein Klick auf den Link zu einem Whitepaper in einem Fachbeitrag ist ein klares Kaufsignal.

Wirklich aussagekräftige Kennzahlen im B2B sind oft subtiler. Dazu gehören: die Verweildauer auf geteilten Blogartikeln, die Conversion-Rate von Social-Media-Traffic auf Ihrer Website oder die Anzahl der Downloads eines Gated Contents (z.B. ein E-Book). Eine aktuelle Studie unterstreicht die wachsende Professionalisierung in diesem Bereich: Im B2B fliessen bereits 36,6 % der Social-Media-Budgets in Paid Content. Dieser Schritt ermöglicht ein viel genaueres Tracking und die Optimierung auf handfeste Ziele wie Lead-Generierung statt nur auf vage Markenbekanntheit.

Makroaufnahme von Datenvisualisierung mit Fokus auf Lead-Korrelation

Die wohl wichtigste, aber am schwierigsten zu messende Quelle für Leads ist das sogenannte « Dark Social ». Dies beschreibt alle Empfehlungen und geteilten Inhalte, die in privaten Kanälen stattfinden – E-Mails, Slack-Channels, WhatsApp-Gruppen. Ein Entscheider teilt Ihren Fachartikel nicht öffentlich, sondern schickt ihn direkt an sein Team mit dem Kommentar « Das müssen wir uns ansehen ». Diese Signale sind in Standard-Analyse-Tools unsichtbar, korrelieren aber am stärksten mit hochqualifizierten Anfragen.

Fallstudie: Dark Social als stärkster Lead-Indikator

B2B-Kaufentscheidungen werden oft in nicht-öffentlichen Kanälen vorbereitet. Wenn ein potenzieller Kunde einen Ihrer Blogbeiträge per E-Mail an einen Kollegen weiterleitet, ist dies ein starkes Interesse-Signal, das herkömmliche Analytics nicht erfassen. Unternehmen, die spezielle Tracking-Methoden einsetzen, um diese « Dark Social »-Aktivitäten sichtbar zu machen, berichten von bis zu 10-mal höheren Weiterleitungsraten bei Entscheidern im Vergleich zu öffentlichen Social-Media-Metriken. Der Schlüssel liegt darin, Content zu erstellen, der so wertvoll ist, dass er es wert ist, privat geteilt zu werden, und durch nachverfolgbare Links (z.B. mit UTM-Parametern) zumindest einen Teil dieser Aktivitäten messbar zu machen.

Lead Gen Forms oder Landingpage: Was bringt im B2B qualifiziertere Kontakte?

Wenn es darum geht, aus einem interessierten Social-Media-Nutzer einen konkreten Lead zu machen, stehen B2B-Unternehmen oft vor der Wahl: Nutzt man die nativen Lead Gen Forms der Plattformen (z.B. LinkedIn) oder leitet man den Traffic auf eine dedizierte Landingpage? Beide Ansätze haben ihre Berechtigung, doch sie dienen unterschiedlichen strategischen Zielen und liefern eine unterschiedliche Qualität von Kontakten. Die Entscheidung hängt davon ab, ob Sie Quantität oder Qualität priorisieren.

Lead Gen Forms sind auf maximale Konversion und minimale Reibung ausgelegt. Mit nur wenigen Klicks kann ein Nutzer seine bereits bei der Plattform hinterlegten Daten (Name, E-Mail, Unternehmen) übermitteln, um ein Whitepaper herunterzuladen. Die Abbruchrate ist extrem niedrig, was zu einer hohen Anzahl an Leads führt. Der Nachteil: Die Informationsqualität ist oft gering, und die Leads sind tendenziell weniger qualifiziert. Dieser Ansatz eignet sich hervorragend für die Top-of-the-Funnel-Phase, um eine breite Masse an Kontakten für das Nurturing zu sammeln.

Eine Landingpage stellt eine höhere Hürde dar. Der Nutzer muss die Plattform verlassen, was bereits ein stärkeres Interesse signalisiert. Auf der Landingpage haben Sie die Möglichkeit, mehr Kontext zu geben, Vertrauen aufzubauen (z.B. durch Testimonials) und über ein längeres Formular deutlich mehr qualifizierende Informationen abzufragen (z.B. Unternehmensgrösse, Position, konkrete Herausforderung). Die Abbruchrate ist höher, aber die generierten Leads sind in der Regel von deutlich besserer Qualität und näher an einer Kaufentscheidung. Eine dritte, immer beliebtere Option, sind Conversational Forms (Chatbots), die das Beste aus beiden Welten vereinen, indem sie Informationen im Dialog abfragen.

Die folgende Gegenüberstellung, basierend auf einer Analyse der Effizienz im B2B, hilft bei der strategischen Entscheidung für das richtige Werkzeug.

Lead Gen Forms vs. Landingpage – Effizienz im B2B
Kriterium Lead Gen Forms Landingpage Conversational Forms (3. Option)
Abbruchrate Niedrig (2-3 Felder) Mittel-Hoch Sehr niedrig (Dialog)
Datenqualität Basis-Informationen Umfassend Progressiv angereichert
Lead-Qualität Gemischt Höher Am höchsten
Setup-Aufwand Minimal Hoch Mittel
Beste Anwendung Awareness-Phase Consideration-Phase Alle Phasen

TikTok, LinkedIn, Instagram: Wie entscheiden Sie, welchen Kanal Sie weglassen?

Der Irrglaube, auf allen Kanälen präsent sein zu müssen, ist einer der grössten Ressourcenfresser im B2B-Marketing. Jede Plattform hat ihre eigene Sprache, ihre eigenen Algorithmen und eine spezifische Erwartungshaltung der Nutzer. Ein Unternehmen, das versucht, überall ein bisschen mitzumischen, wird nirgendwo wirklich exzellent sein. Die strategisch kluge Entscheidung ist nicht, welche Kanäle man bespielen soll, sondern welche man bewusst weglässt. Der Schlüssel dazu ist eine radikale Fokussierung auf die eigenen Ressourcen und die primären Geschäftsziele.

Für die überwältigende Mehrheit der B2B-Unternehmen im deutschsprachigen Raum ist LinkedIn die unumgängliche Basis. Aktuelle Statista-Daten belegen, dass 95 % der B2B-Unternehmen hier aktiv sind. Dies ist der Ort für den Aufbau von Fachexpertise, für professionelles Networking und für die gezielte Ansprache von Entscheidern. Alle weiteren Kanäle sind optionale Ergänzungen, deren Einsatz streng geprüft werden muss. Fragen Sie sich: Haben wir die Ressourcen, um für TikTok authentische, schnelllebige Videos zu produzieren, die unterhalten und gleichzeitig unsere Marke stärken? Haben wir visuell ansprechenden Content, um auf Instagram eine Geschichte über unsere Kultur und Innovation zu erzählen?

Ein hilfreiches Framework für diese Entscheidung ist das « Jobs-to-be-Done »-Modell. Nutzer kommen zu LinkedIn, um zu lernen und ihre Karriere voranzubringen. Sie gehen zu Instagram für Inspiration und visuelle Einblicke. Sie nutzen TikTok für Unterhaltung mit Lerneffekt. Ihre Kanalstrategie sollte sich darauf konzentrieren, nur die Plattformen zu wählen, auf denen Sie den « Job » für Ihre spezifische Zielgruppe exzellent erfüllen können. Wenn Ihr primäres Ziel das Employer Branding für eine junge Zielgruppe ist, kann TikTok eine sinnvolle Investition sein. Wenn es aber um die Generierung von qualifizierten Leads in einer konservativen Branche geht, ist es wahrscheinlich die erste Plattform, die Sie streichen sollten. Konzentrieren Sie Ihre begrenzte Zeit und Ihr Budget dort, wo Sie die grösste Wirkung erzielen können, anstatt sich zu verzetteln.

Das Wichtigste in Kürze

  • Vom Senden zum Dialog: Erfolgreiches B2B-Marketing ist kein Monolog, sondern der Aufbau eines Ökosystems, in dem durch Vertrauen und Expertise Anfragen organisch entstehen.
  • Von Eitelkeit zu Geschäftssignalen: Konzentrieren Sie sich auf Kennzahlen, die echten Geschäftswert widerspiegeln (z.B. Conversions, qualifiziertes Engagement), anstatt auf oberflächliche Likes und Follower.
  • Von Produkt zu Mensch: Die effektivste Kommunikation stellt nicht das Produkt, sondern die menschliche Expertise, die Kultur und die Problemlösungskompetenz in den Mittelpunkt.

Wie Sie Video-Content für LinkedIn produzieren, ohne ein Studio zu mieten?

Video ist das mit Abstand effektivste Format auf Social Media, auch im B2B. Eine Umfrage von Ignite Social Media ergab, dass für 95 % der B2B-Einkäufer Videos eine wichtige Rolle bei Kaufentscheidungen spielen. Doch viele Unternehmen schrecken vor dem vermeintlich hohen Aufwand zurück: teures Equipment, professionelle Studios, aufwendige Postproduktion. Diese Vorstellung ist veraltet. In der heutigen Medienlandschaft schlägt Authentizität oft Perfektion. Ein mit dem Smartphone aufgenommenes, inhaltlich starkes Video kann eine weitaus grössere Wirkung haben als ein hochglanzpolierter, aber seelenloser Imagefilm.

Der einfachste Einstieg sind sogenannte « Talking Head »-Videos. Ein Fachexperte aus Ihrem Unternehmen nimmt mit dem Smartphone ein kurzes, 1-2-minütiges Video auf, in dem er eine aktuelle Branchennews kommentiert, eine häufig gestellte Kundenfrage beantwortet oder einen schnellen Tipp gibt. Mit einem einfachen Smartphone-Video-Kit, bestehend aus einem kleinen Stativ, einem Ansteckmikrofon und einem Ringlicht (Gesamtinvestition unter 100 €), lässt sich bereits eine professionelle Qualität erzielen. Natürliches Fensterlicht ist oft die beste und günstigste Beleuchtungsquelle.

Eine weitere ressourcenschonende Methode ist die Content-Wiederverwertung. Haben Sie ein einstündiges Webinar gehalten? Schneiden Sie dieses in 10-15 kurze, thematisch fokussierte Clips, die Sie über mehrere Wochen auf LinkedIn veröffentlichen können. Nutzen Sie kostenlose Tools für Bildschirmaufnahmen, um kurze Software-Demonstrationen oder « How-to »-Anleitungen zu erstellen. Indem Sie Ihre Fachexperten mit einfachen Guidelines und minimalem Equipment ausstatten, können Sie einen stetigen Fluss an authentischem und relevantem Video-Content sicherstellen. Wie ein Report von EMARKETER hervorhebt, erzielen gerade Kurzvideos den höchsten ROI, da sie von den Algorithmen der Plattformen bevorzugt werden.

Short-form social media videos produce the highest ROI. B2B marketers need to create short-form video content for algorithmic visibility on platforms such as YouTube, TikTok, Instagram, and LinkedIn.

– LinkedIn Marketing Survey, EMARKETER B2B Video Marketing Report

Der Einstieg in die Videoproduktion ist einfacher als gedacht und ein entscheidender Schritt, um Ihre Botschaften sichtbar und merkfähig zu machen.

Häufige Fragen zu Warum B2B-Social-Media mehr ist als nur Pressemitteilungen zu posten?

Wann sollten wir TikTok in Betracht ziehen?

Wenn Sie eine junge Zielgruppe für Employer Branding ansprechen wollen und die Ressourcen für authentische, schnelllebige Video-Produktion haben.

Ist Instagram für B2B überhaupt relevant?

Ja, besonders für visuell ansprechende Branchen, Behind-the-Scenes Content und Employer Branding. 73% der B2B-Unternehmen nutzen Instagram bereits.

Wie entscheiden wir zwischen den Kanälen?

Wenden Sie das ‘Jobs-to-be-Done’ Framework an: LinkedIn für Lernen & Karriere, Instagram für Inspiration, TikTok für Unterhaltung. Wählen Sie nur Kanäle, wo Sie diesen ‘Job’ erfüllen können.

Rédigé par Lena Kowalski, Expertin für Corporate Communications, Social Media und Employer Branding. Spezialisiert auf Markenaufbau, Krisenkommunikation und LinkedIn-Strategien.